In einer Auflage von 10.000 Exemplaren präsentierte die WALI am Mittwoch, dem 18.01., die dritte Auflage Ihrer Broschüre „Leben mit wenig Geld – Ein Ratgeber“.
Jubiläumsfeier der WALI in der Hospitalkirche
Am Sonntag, den 22. März 2009 war es endlich soweit: Die WALI feierte ihr 20-jähriges Bestehen. Die Feier begann um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, bevor es gegen 11.30 Uhr nach nebenan zur Matinée ging.
Wetzlar (bkl). „Schlimm, dass in heutigen Zeiten Finanzunternehmen, Banken und Großkonzerne stärker bedauert werden als der einzelne Mensch, der unverschuldet an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird“, beschreibt Susanne Sievers, erste Vorsitzende der Arbeitsloseninitiative im Lahn Dill Kreis (WALI) die Situation Erwerbsloser. Am 22.03.2009 feierte die Initiative ihr 20jähriges Bestehen.
„Soziale Gerechtigkeit in der Krise“ – unter diesem Thema stand der Festgottesdienst, zu dem rund 100 Besucher in die Wetzlarer Hospitalkirche gekommen waren. Peter Janowski, Pfarrer und zweiter Vorsitzender der Arbeitsloseninitiative, erklärte dazu in seiner Begrüßung, dass im letzten Jahr bereits 1200 Menschen die Angebote der WALI in Anspruch genommen hätten. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Hessen und Thüringen, Stefan Körzell, führte in seiner Ansprache aus, dass das bestehende Sozialstaatsprinzip zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, bisher geltende Standards und Normen der Sozialversicherungen jedoch Zug um Zug zurückgebaut würden. In dieser Situation sei die WALI als eine der ersten lokalen Arbeitsloseninitiativen zu einem wichtigen Eckpfeiler bundesweiter Erwerbslosenarbeit geworden. Er hob hervor, dass hier Projekte nicht nur für sondern mit Arbeitslosen gemeinsam entwickelt und umgesetzt würden. „Wir sind froh, solche Weggefährten an unserer Seite zu wissen“, lobte Körzell den Einsatz der Initiative.
Sehr deutliche Worte fand Dr. Uwe Becker, Mitglied des Vorstandes des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe in seiner Predigt über das dritte Kapitel aus dem ersten Buch Mose, Vers 17 bis 19. Dass das Engagement der Arbeitsloseninitiative seit 20 Jahren not-wendig und wohl auch in den nächsten 20 Jahren unverzichtbar sei, sei dem sozialpolitischen Skandal dieser Republik geschuldet. In diesem Zusammenhang sprach Becker von mangelnder politischer Courage und vom Anpreisen politischer Bewältigungskompetenz, die nicht eingelöst werden könne. Stattdessen würde die Ursache der Misere regelmäßig bei den Betroffenen selbst gesucht. In seiner Auslegung des Verses 19:“Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein tägliches Brot essen“ legte der Prediger dar, dass die Suche nach Unabhängigkeit zugleich die Mühsal eines an den harten Bedingungen der Arbeit leidenden Menschen schaffe. Nach biblischer Aussage müsse jedoch die Arbeit das Mindeste zum Leben, das Brot als Inbegriff sättigender Auskömmlichkeit, gewähren. Aufgabe der Arbeitsloseninitiative sei es, darauf aufzupassen, dass das Menschsein nicht auf das Arbeiten reduziert und Arbeitslosigkeit zum menschlichen Makel erklärt würde.
Am Gottesdienst wirkten weiterhin Superintendentin Ute Kannemann, Birgitta Guth, Irmtraut Franken, Gisela Zehntgraf und Mathias Rau mit. Norbert Hartmann spielte die Orgel.
Im überfüllten Gemeindesaal fand im Anschluss eine Matinée mit einem von Mitarbeitenden der WALI sehr mühe- und liebevoll vorbereiteten Buffet statt. Die von Susanne Sievers moderierten Grußworte wechselten sich mit provozierend-heiteren Liedern des Kabarettisten Martin Gärtner (Giessen) ab, die er selbst auf dem E-Piano begleitete. Die Zuhörenden bedankten sich mit spontanem Applaus.
Dank und Wertschätzung für das Engagement der WALI kamen in den Grußworten der prominenten Gäste ebenso zum Ausdruck wie die Sorge um die gegenwärtige und zukünftige Situation am Arbeitsmarkt. „Es wird noch viele WALIS geben“, so Landrat Wolfgang Schuster, bekräftigte jedoch auch seine Vision: „Beim 50 Geburtstag brauchen wir euch nicht mehr!“ Oberbürgermeister Wolfram Dette bedankte sich insbesondere für die Kreativität des Vereins, der durch seine Kulturaktionen schon vielen erwerbslosen Menschen Mut gemacht, ihnen Selbstvertrauen geschenkt und ihnen ihre Identität gegeben habe. Seinen Dank verband er mit der Überreichung eines Schecks. Harald Wack, Aufsichtsführender Richter am Amtsgericht und insbesondere für Strafjustiz zuständig, dankte der WALI für die gute Zusammenarbeit. An die Initiative vermittelte Straftäter könnten beispielsweise eine Geldstrafe durch Arbeitseinsätze ausgleichen. Diese Arbeit würde von vielen Straftätern als sinnstiftend und ermutigend empfunden, wie ihm von Betroffenen berichtet worden sei. Der stellvertretende Geschäftsführer der Lahn-Dill-Arbeit, Peter Schneider-Johann, stellte die WALI als eine seiner wichtigsten Netzwerkpartner dar. Als entscheidende Schwerpunkte hob er neben den Kulturprojekten die Beratungstätigkeit sowie die Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebote hervor. Beispielsweise sei aus eigener Initiative die Broschüre „Leben mit wenig Geld“ entstanden.
Mit der Frage „Haben Wale eine Seele?“, einer Anspielung auf das Symbol der „WALI“, schloss Pfarrer Christoph Geist, Vorstandsmitglied der Arbeitsloseninitiative (ALI) Giessen die Reihe der Grußworte. Mit herzlichen Worten dankte er anhand einer Lesung aus einem israelischen Kinderbuch Peter Diegel-Kaufmann, dem Geschäftsführer der WALI, für seinen unermüdlichen Einsatz. Martina Bodenmüller überreichte ein Album mit Bildern und Erinnerungen von Aktionen mit Diegel-Kaufmann.
Im Flur zwischen Hospitalkirche und Gemeindehaus hatten die Mitarbeitenden der WALI Stellwände mit Bildern von Aktionen der 20 vergangenen Jahre aufgebaut. Hier hatten die Gäste die Möglichkeit, sich über die vielfältige Arbeit zu informieren und sich in ein Gästebuch einzutragen.
Fotos und Artikel: Barnikol-Lübeck
Erschienen am 24.03.09 i.d. Wetzlarer Neuen Zeitung
Hier gibt es weitere Bilder von der Jubiläumsfeier zu sehen.
Und wer möchte, kann sich die Predigt von Dr. Uwe Becker herunterladen:
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