Unser Leitbild

Präambel

Dies ist das Leitbild der Wetzlarer Arbeitsloseninitiative. Es drückt Realität und Anspruch zugleich aus und ist uns damit immer Verpflichtung, unsere fachlich-berufliche sowie persönliche und organisationale Integrität daran zu messen. Seit 1989 versteht sich die WALI als Ansprechpartner und Anwalt für die Belange von Arbeitslosen im Lahn-Dill-Kreis. Gegründet wurde der Verein von Betroffenen sowie von Vertretern der Kirchen und Gewerkschaften.

Menschenbild

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Mensch. Wir achten seine Würde und nehmen seine Sorgen und Nöte ernst: unabhängig von seiner nationalen oder kulturellen Herkunft, seines Glaubens, seines Geschlechts oder seiner sozialen Herkunft. Bei unserer Arbeit gehen wir möglichst individuell, bedarfs- und ressourcenorientiert vor. Respekt und Wertschätzung sind für uns Grundlage jeder fachlichen Arbeit mit unseren Klienten und Ratsuchenden. Jeder Mensch hat, unabhängig von seinen Leistungen und Fähigkeiten, eine unantastbare Würde.

Der Mensch: Gesellschaft und Arbeitslosigkeit

In einer Gesellschaft, deren Normensystem Arbeit als durchweg positiv bewertet und die von einer Wohlstands- und Konsumideologie getragen wird, sind die Folgen von Arbeitslosigkeit für die Betroffenen von besonderer Tragweite. Es kommt neben den ökonomischen Folgen nicht selten zu psychosozialen Problemen für den Einzelnen, dessen soziales Umfeld und die Gesellschaft. Wir versuchen die persönlichen und gesellschaftlichen Folgeerscheinungen zu beobachten, zu analysieren und mit entsprechenden Gegenstrategien und Interventionen zur Stärkung unserer Klienten beizutragen.

Der Mensch: Gesellschaft und Krankheit

Krankheiten oder psychische Probleme wie Süchte, Depressionen oder andere Beeinträchtigungen, werden unserer Meinung nach von kulturellen, sozialen, ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Faktoren mit beeinflusst. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu begleiten und – in unseren Möglichkeiten – sozialpolitisch für die Schwächeren in unserem Land Stellung zu beziehen.

Aufgaben und Ziele: „Die Bestimmung des Menschen ist Tätigkeit“ (Goethe)

Zu unseren Kernaufgaben gehört die Qualifizierung, Beschäftigung und Beratung von Arbeitslosen. Wir helfen Menschen bei wirtschaftlichen, gesundheitlichen oder psychosozialen Problemen und unterstützen sie bei sozialrechtlichen Fragen. Weiterhin bieten wir Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten an und helfen bei der Arbeitsmarktintegration. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind sozialpolitische Lobby- und Kulturarbeit sowie Suchtprävention und Gesundheitsaufklärung. Zudem arbeiten wir auch im Bereich der Gemeinwesenarbeit, wobei wir uns bei diesem Arbeitsfeld auf den Wetzlarer Stadtteil „Westend“ konzentrieren, der als Programmgebiet „Soziale Stadt“ ausgewiesen ist und damit ein Quartier mit „besonderem Handlungs- und Entwicklungsbedarf“ darstellt. So entwickelt die WALI sinnvolle Tätigkeitsfelder für die Betroffenen während Ihrer Arbeitslosigkeit.

Zum Bildungsbegriff der „WALI“

„Zur Bildung gehören die Vorstellungen und Einstellungen, die Fähigkeiten, die Kenntnisse und die Gewohnheiten, die es dem Menschen ermöglichen, die Welt selbstbestimmt und verantwortlich zu gestalten.“ (Johannes Rau)

Wir verstehen Bildung als einen Prozess, der über Grunddimensionen des schulischen Lernens hinausgeht und mit einem Ausbildungsabschluss oder einer anderen Bildungszertifizierung nicht abgeschlossen ist.
Dabei bleiben wir nicht bei der Ausbildung kognitiver Fähigkeiten stehen, sondern legen einen Schwerpunkt auf die Entwicklung handwerklich-technischer Bildung, die Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungen und Empathie, die Sensibilisierung von ästhetischen Wahrnehmungsfähigkeiten und politischer
Urteilsfähigkeit. Dazu kommen  noch   Argumentationsbereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstkritik, Selbstbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeiten, die wir bei unseren Klientinnen und Klienten mit unseren Angeboten entwickeln wollen.
Auf der didaktischen Ebene versuchen wir, konventionelle Wege der Wissensvermittlung zu verlassen und neue Formen der Bildungsarbeit zu entwickeln. Traditionell gebräuchliche Arten des Lernens wie den Frontalunterricht gilt es dabei punktuell zu verlassen und durch neue Formen, wie Projektarbeit in Kulturmaßnahmen, zu ersetzen.

Bildungsbegriff: „Lebenslanges Lernen“

Wir sehen Bildung als einen lebensbegleitenden Prozess, der nicht mit einer Ausbildung oder einem Lernabschnitt endet. Wir glauben daran, dass bestimmte Formen des Lernen vielleicht nicht direkt zu einem Arbeitsplatz führen, aber die Menschen handlungsfähiger und widerständiger machen, um bestimmte gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen zu umgehen. Wir wollen unsere Klientinnen und Klienten motivieren,  an ihren Begabungen entsprechenden gesellschaftlichen und beruflichen Entwicklungen teilzuhaben. Dabei arbeiten wir neben institutionalisierten, mit einem anerkannten Abschluss versehenden Formen des Lernens, verstärkt mit „informellen Formen“ der Wissensvermittlung: ein Lernen, das aus wechselnden Lebens- und Arbeitssituationen heraus, „offen, selbstbestimmt und praxisnah als eine Art natürliches Lernen aus reflektierender Erfahrungsverarbeitung heraus stattfindet“ (Tramm & Reetz).

„Weil Menschen Menschen brauchen“

Unsere Angebote und Projekte führen gesellschaftliche Gruppen zusammen: bei uns arbeiten Erwerbslose mit Beschäftigten, Ehren- und Hauptamtliche, Junge und Alte, Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen- und Gewerkschaftskreisen zusammen mit Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft.
So schaffen wir es, durch Bildungs- und Kulturangebote, bei unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern Interesse füreinander zu wecken und Menschen an gesellschaftlicher Entwicklung teilhaben zu lassen. Hier finden sie Beratung und Qualifizierung und können Ihre beruflichen und persönlichen Fähigkeiten einbringen und weiterentwickeln. Sie können sich stabilisieren, Wertschätzung und Erfolgserlebnisse erhalten. So kommen Menschen mit massiven Problemen wie z.B. Alkoholabhängigkeit zu uns und erhalten durch kompetente Beratung und Vermittlung in Entgiftung oder Therapie die Chance auf einen Neuanfang. 

Gemeinwesenarbeit

Neben unseren allgemeinen Handlungsfeldern, wie Beratungsangeboten oder Kulturprojekten, die eine stark fallbezogene Ausrichtunghaben, arbeiten wir im Wetzlarer Westend auch im Bereich der Gemeinwesensarbeit. Hier sind wir seit einigen Jahren mit unterschiedlichsten Projekten im Bereich der sozialraumbezogenen Gemeinwesensarbeit aktiv und helfen dabei mit, den Stadtteil strukturell aufzuwerten. Dazu gehören neben suchtpräventiven Angeboten auch bauliche Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung im Stadtteil. Der Wetzlarer „Westend“ ist Programmgebiet der „Sozialen Stadt“, was zur Folge hat, dass wir unsere Angebote und Maßnahme u.a. mit dem Integrierten Handlungs- und Entwicklungsplan der Stadt Wetzlar abstimmen.

Grundsätze unserer Arbeit mit Mitarbeitern: Unterstützung und Förderung

Unser Träger ist sich bewusst, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Arbeit mit langzeitarbeitslosen Menschen oft hohen Anforderungen ausgesetzt sind. Wir bemühen uns aus diesem Grund, unsere Angestellten sowohl fachlich als auch von Ihrer Persönlichkeit in ihrer täglichen Arbeit so zu stärken, dass die Balance zwischen persönlichen Belastungen und dem Arbeiten mit unseren Klienten ausgeglichen ist. Durch regelmäßig stattfindende Supervisionen, tägliche Teamgespräche, einer jährlichen Klausurtagung und fachlichen Weiterbildungen, bemühen wir uns, unser Team für die Anforderungen des Arbeitsalltages zu wappnen und die Kompetenzen unserer Mitarbeiter zu fördern.

Grundsätze unserer Arbeit mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern: das Empowerment-Konzept

Wir sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Personen mit eigenen Ressourcen und setzen auf die jeweiligen Stärken der Einzelnen. Dabei streben wir an, den Grad an autonomer Lebensgestaltung unserer TeilnehmerInnen zu erhöhen. Sie sollen ihre Gestaltungsspielräume und besonderen Ressourcen erkennen und weiter entwickeln. Dabei arbeiten wir in unseren Maßnahmen, Kursen und Projekten nicht defizit- sondern stärkenorientiert, d.h. mit ressourcenorientierten Interventionen (=Empowerment).
Bei der konzeptionellen Planung orientieren wir uns hierbei verstärkt am methodischen Ansatz des „Empowerment“.

Geschäftsführung

Die Geschäftsführung ist bei unserem Träger für die strategische und operative Ausrichtung verantwortlich. Sie kümmert sich federführend um die inhaltliche, personelle und wirtschaftliche Ausrichtung des Trägers.
Der Führungsstil ist geprägt von Kooperation, Partizipation, Transparenz und dialogischem Arbeiten bei anfallenden Aufgabenstellungen.

Qualität der Arbeit

Wir versuchen immer, unsere Arbeit nach aktuellen fachlichen Standards auszurichten. Wir legen bei der Auswahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neben fachlicher Kompetenz besonders auf persönliche Eignung und Loyalität Wert.
Wir reflektieren und überprüfen unsere Arbeit durch interne Dokumentationen und Evaluationen und etablieren damit einen kontinuierlichen Prozess der Qualitätssteigerung. In diesem Entwicklungszusammenhang begreifen wir uns als lernende Organisation.

Koperationsarbeit und Vernetzung

Die WALI versteht sich als fester Bestandteil des sozialen Hilfesystems im Lahn-Dill-Kreis. Wir arbeiten aktiv in regionalen sowie überregionalen Netzwerken und Arbeitskreisen mit und versuchen so, unsere Arbeit in einen größeren Kontext zu stellen, da wir der Meinung sind, dass einzelne Akteure, Träger, Institutionen und Organisationen, den großen gesellschaftlichen Problemstellungen und Aufgaben nicht mehr gewachsen sind. Wir sind grundsätzlich immer für Kooperationen mit anderen Trägern und Einrichtungen offen, wenn sich diese zum Wohle unserer Klientinnen und Klienten beitragen.

Öffentlichkeitsarbeit

Wir sehen es als unsere Pflicht an, unsere Arbeit einer interessierten Öffentlichkeit transparent zu machen. Basis unserer Informationspolitik ist unsere Internetplattform, auf der wir versuchen, schnell und kompakt über Aktionen, Ziele und Projekte zu informieren. Dazu nutzen wir natürlich auch die klassischen Medien wie Zeitungen, Dokumentationen, Trägerdarstellungen und Broschüren, um unsere Arbeit zu dokumentieren und uns einer kritischen Öffentlichkeit zu stellen bzw. im Sinne einer demokratischen Öffentlichkeitskultur für die Belange unserer Klientel dezidiert und parteilich Stellung zu beziehen.