Bei der diesjährigen Mai-Kundgebung des Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) im Kulturzentrum Kulturzentrum Franzis stand alles unter dem Motto: „Erst unsere Jobs – dann eure Profite!“. Viele Redebeiträge machten deutlich, wie sehr die Region unter Werksschließungen, Unsicherheit und wachsendem Druck auf Beschäftigte leidet.
Auch unser Verein war Teil der Kundgebung. Wir dokumentierten mit einem Stand unsere Solidarität mit den Aktiven am 1. Mai in Wetzlar.

Neben dem Stand machte unser Mitarbeiter Stefan Lerach in einem Redebeitrag deutlich, dass Perspektiven und Rechte für Menschen „nicht am Arbeitsplatz enden dürfen“. Gerade in Zeiten, in denen beim Bürgergeld wieder Verschärfungen diskutiert werden, braucht es gesellschaftliche Lösungen, die Würde, Teilhabe und echte Zukunftschancen in den Mittelpunkt stellen und dabei die Situation von langzeitarbeitslosen Menschen auch mitdenken.
Er kritisierte die in den vergangenen Jahren zunehmend emotionalisierte Debatte über Bürgergeldbeziehende, die häufig von Vorurteilen, Einzelfallgeschichten und dem Vorwurf des Missbrauchs geprägt gewesen sei. Diese Stimmung habe dazu beigetragen, dass nun eine Verschärfung der Grundsicherung mit härteren Sanktionen politisch durchgesetzt werde.
Dabei, so Lerach, treffe diese Verschärfung nicht nur vermeintliche „Totalverweigerer“, sondern ganz unterschiedliche Menschen: Alleinerziehende ohne ausreichende Kinderbetreuung, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, Auszubildende mit zu geringem Einkommen – Menschen also, die trotz Arbeit oder besonderer Lebenslagen auf Unterstützung angewiesen sind.

Statt Repression brauche es ein Sozialsystem, das stärkt statt stigmatisiert, das Vertrauen schafft statt Misstrauen zu säen. Die Würde des Menschen dürfe nicht an Nützlichkeit oder Produktivität geknüpft werden.
Sein Appell zum Abschluss: Für ein auskömmliches Leben auch in der Grundsicherung, gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen in Armut und für mehr Solidarität in der Gesellschaft.

Mehrere Beiträge zeigten, wie wichtig tarifgebundene Arbeit und gewerkschaftliches Engagement sind. Aktuelle Beispiele aus der Region – etwa der Einsatz für Tarifverträge in Betrieben in Dorlar und darüber hinaus – verdeutlichen, dass gute Arbeitsbedingungen keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer wieder erkämpft werden müssen.
Neben den kämpferischen Reden bot das anschließende Familienfest Raum für Begegnung, Austausch und Information. Viele Initiativen und Gewerkschaften präsentierten ihre Arbeit und kamen mit Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch.
Für die WALI war klar: Der 1. Mai ist nicht nur ein Tag der Arbeit, sondern auch ein Tag der Solidarität mit Menschen ohne Arbeit. Denn Würde, soziale Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe gehen uns all an.
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